GÜNTHER BAUMANN


ENKAUSTIKMALEREI

ZEICHNUNG


Zitate aus Katalogtexten:


......"Baumanns Bilder sind ohne die Enkaustik ,mit ihren in Wachs gebundenen Farbpigmenten, die heiß auf den Malgrund aufgetragen werden, nicht zu denken. Er kam zu dieser schon in der Antike bekannten Arbeitsweise auf der Suche nach einer technischen Erweiterung der Ölmalerei: Um den Eindruck des Haptischen, des Dreidimensionalen zu steigern, hat er die Ölfarbe mit Wachssalben aufgebuttert, um sie noch dicker zu machen. Der durch die Wiederholung des Erhitzens langwierig verlaufende Arbeitsvorgang führt dazu, dass seine Bilder im Laufe des Schaffensprozesses sehr großen Veränderungen unterzogen werden. Die Technik der Enkaustik erlaubt es dem Künstler, eine große Bandbreite an Strukturen als Gestaltungsmittel einzusetzen, sie verleiht dem Bild eine opake Substanz, die glänzend und stumpf wirken kann, die mit der Lichtbrechung spielt. Indem die Oberfläche aufgebrochen und ein Hintergrund freigelegt wird, entsteht der Eindruck von Raumtiefe. Gleichzeitig ermöglicht es die Enkaustik sehr gut, malerische und grafische Elemente miteinander zu verbinden - ein für Günther Baumann zunehmend zentrales gestalterisches Mittel.

 

Was die Farbigkeit seiner Bilder angeht, so zeigt sich eine große Vielfalt von Farbzusammenstellungen und Farbskalen. Die Bandbreite reicht von Pastelltönen bis hin zu dunklen, irdenen Tönen. Manche von Baumanns Arbeiten sind von einer Farbe dominiert, andere hingegen mit starken Farbkontrasten aufgebaut. Jedes einzelne Bild ist allerdings durch eine Farbgebung bestimmt, bei der bestimmte Akkorde vorherrschen

 

(.....) Bei vielen seiner "inneren Bilder" oder "Bilderfindungen" - wie er es selbst nennt - kristallisiert sich im Arbeitsprozess ein Motiv heraus, das durchaus literarischer, mythologischer oder musikalischer Natur sein kann. Dabei tritt in der Regel das Gegenständliche nur ansatzweise zutage, im Vordergrund seht vielmehr das Atmosphärische. Themen wie "Illusion" oder "Traum" werden häufig durch den Eindruck des Schwebens wiedergespiegelt. Denn nichts ist wirklich greifbar, endgültig und der Künstler ist letztendlich nur ein Illusionsmacher."

 

Zitate aus dem Katalogtext  " Illusionsmacher, Malereien und Zeichnungen von Günther Baumann", 2012, von Dr. Mechtild Müller-Hennig, Kunsthistorikerin

 

 


........"Es ist alles bereit. Es ist noch nicht da. Es kann sein. Es mag nicht bleiben. Es war schon. (....)

Als hielte Baumann den Moment vor der entscheidenden Geste, vor dem Zur-Seite-Gleiten des Bühnenvorhangs fest. Als sei noch immer in den Figuren geborgen, was schon im nächsten Moment aus ihnen herausbrechen möchte, entspricht ihr Verhältnis zueinander dem noch unbestimmten Raum.

"Ganz am Schluß" sagt Baumann, finden die Figuren ihren Platz im Bild.

 

(.....) Es ist fast alles bereit, auf dem Sprung, beinah auf dem Sprung, das Davor. Oder das Danach, wenn es gesagt, wenn es getan ist, der Blick abgewandt, wenn der Vorhang schon wieder gefallen ist, und das einzig noch Hörbare ein Nachhall wäre."

 

Zitate aus dem Katalogtext "Mythen in den Bildern Günther Baumanns", 2012, Katalog "Günther Baumann Illusionsmacher", von Bernhard Kliegl

 

........"Obwohl Günther Baumann bestrebt ist, farbliche Vielfalt und bloß Akzidentelles aus seinen Bildern herauszuhalten, kann bei der Bearbeitung der figurativen Elemente wie des Bildhintergrundes dennoch ein Spannungsverhältnis oder gar ein Widerspruch zwischen der (dominanten) Lokalfarbe und nachgeordneten Farbaufträgen entstehen. In jedem Fall ist die einzelne Arbeit das Resultat eines technisch aufwendigen und künstlerisch differenzierten Prozesses - angefangen bei der atmosphärischen Vorentscheidung und ihrer Materialisation über die Stufen der "Bilderfindung" und deren graphisch-malerische, expressiv-gestische Abfolge bis hin zu ihrer oft mehrfachen Revision. Etwas von der Widerborstigkeit der selbstgestellten Aufgabe und der Überwindung eigener Skrupel, vom "Kampf mit dem Bild", möchte der Künstler dem Publikum vermitteln - und ich meine: das gelingt ihm auch in der Regel; seine Bilder sind alles andere als 'glatt' und ´perfektioniert'. Bei der einzelnen Arbeit und schon gar im Zuge der Werk-

entwicklung  geht es Baumann um eine schrittweise Reduktion und "Entkernung" von Bildern, um die Zuspitzung einer Bildidee. (......)"

 

Zitate aus em Katalogtext "Bild-er-findungen Über die Arbeiten von Günther Baumann", 1994, Katalog "Günther Baumann Bilder 1990 - 93", von Prof. Dr. Hans A. Hartmann